Experten


Christoph Fahle

Christoph Fahle

WORKLIFE:

Mitgründer des betahaus Berlin, Medien- und Wirtschaftswissenschaftler, freiberuflicher Berater

ESSENCE:

"In einer Mischung aus entspannter Kaffeehaus-Atmosphäre und konzentriertem Arbeitsumfeld legen wir Raum zwischen Arbeit und Privatsphäre an, in der Innovation und Kreativität gefördert wird."

/ Büro im Wandel / Kreativität

„Co-Working trifft den wunden Punkt vieler Angestellten. Einen eindrucksvollen Beweis liefert meine letzte Erfahrung bei der Beratung eines großen Reiseveranstalters, für die ich Co-Working Spaces entwickeln sollte. Nach Beendigung des Projekts haben zwei von sechs Mitarbeitern gekündigt und sich selbstständig gemacht. Sie konnten einfach nicht wieder zurück in die starren Strukturen des Konzerns. Umso länger wir Besucher bei uns im Co-Working Space haben, umso schwerer tun sie sich wieder zurück in ihre alten Arbeitsverhältnisse zu gehen."

/ Entgrenzung / „Always-On"-Mentalität / Selbstorganisation /

„Die Mehrzahl aller Berufstätigen ist permanent online und damit im Grunde für ihre Arbeit ständig erreichbar. Das ist heute aber nur noch für diejenigen möglich, die in einem sehr geregelten Arbeitsverhältnis stecken und sich ihre Freizeit stark von dem unterscheidet, was sie beruflich tun. Heutzutage kann also nicht länger zwischen Work vs. Life unterschieden werden, sondern zwischen Online vs. Offline."

„In der neuen Arbeitswelt muss in erster Linie der Umgang mit der neugeschaffenen Freiheit erlernt werden. Das ist ein extremer Wechsel, weswegen Flexibilisierung und Selbstorganisation schnell zu einer Überforderung werden. In diesen freien Umfeldern sagt dir keiner mehr, "jetzt geh mal nach Hause und mach Feierabend." Du musst dir selbst deine Strukturen für den Tag schaffen. Das überfordert häufig und muss erst erlernt werden. Danach aber geht für viele eine unglaubliche Freiheit auf."

„Der einzige der dir Grenzen setzt, bist du selber. Das haben wir aber vorher nie gelernt. In der Schule oder Universtät haben wir auch meistens gesagt bekommen, was und wie wir es zu tun haben."

/ Netzwerke und Innovationen / Wissensarbeit /

„Wissensarbeit ist nicht vergleichbar mit Verwaltungsarbeit. Kreativität und Innovation brauchen deshalb ganz andere Umfelder. Unsere Arbeit fächert sich in unterschiedliche Bereiche auf, aus denen variierende Arbeitsmodi, wie Kommunikation, Konzentration, Inspiration etc. hervorgehen. Wir müssen diesen verschiedenen Modi Rechnung tragen und Umfelder – räumlich als auch zeitlich – schaffen."

„Es geht um die Frage, wie Rahmenbedingungen der Arbeit aussehen müssen, die Kreativität zulassen, interdisziplinären Wissenstransfer ermöglichen, individuelle Stärken fördern und auf menschliche Bedürfnisse eingehen."

/ Büro im Wandel / Wertschöpfung /

„Ich wage die Prognose, dass es immer mehr Unternehmen geben wird, die wie ein Coworking Space funktionieren. Es braucht dabei Grundwerte, welche eine gemeinsame Kultur bestimmen. Diese dürfen nicht nur monetären Werten entsprechen, sondern gemeinsame Ziele und ein guter persönlicher Umgang sind wichtig. Nur so können sich Intrapreneure und disruptive Ideen entfalten."

„Werte werden nicht mehr in klassischen Büros geschaffen. Wertschöpfung kann heute an unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten, in wechselnden Teamkonstellationen und ohne Festanstellung stattfinden. Diese neue Art der Arbeit sucht ständig nach neuen, realen und virtuellen Orten. Benötigt werden offene, digital vernetzte und kollaborative Arbeitsorte."

/ Büro im Wandel / Kreativität /

„Noch vor einigen Jahren wurde Co-Working als hippiemäßig abgetan und belächelt. Inzwischen suchen Großorganisationen nach solchen Arbeitsorten für ihre eigenen Mitarbeiter oder versuchen ähnliche Konzepte im eigenen Unternehmen zu integrieren."

„Innovation vorantreiben kann man nicht Arbeit nennen. Wenn wir sagen, wir lösen uns komplett von der Definitionsschablone "Arbeit und Leben" und gestehen uns ein, dass es weit mehr verschiedene Modi gibt, wie beispielsweise Kreativität, die sich nicht eindeutig in Arbeit oder Leben einordnen lassen. Bleiben wir beim Beispiel Kreativität. Diese lässt sich nicht in starren Strukturen erzwingen, sondern entsteht häufig durch ungewöhnliche Begegnungen, Situationen und Herausforderungen. Egal ob auf Arbeit oder beim Reisen in einer fremden Kultur."