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Dr. Josephine Hofmann

Dr. Josephine Hofmann

WORKLIFE:

Informationswissenschaftlerin und Abteilungsleiterin beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation. Sie beschäftigt sich mit Innovations- und Technologiemanagement, Gestaltung von Arbeitswelten, Lern- und Wissensmanagementansätzen.

ESSENCE:

„Setzt man nur noch auf virtuelle Kommunikation, geht auf Dauer etwas verloren."

/ Wertewandel / Informationstechnologie /

„Die Digital Natives stellen neue Ansprüche an IT- und Technikausstattung ihres Arbeitsgebers. Ein wichtiges Kriterium ist vor allem der Fun-Faktor der Arbeitstools. Ansprüche, auf die der Arbeitgeber in Zukunft eingehen muss."

/ Entgrenzung /

„Die digitale Vernetzung hat in der Arbeitswelt eine befreiende Ausdehnung losgetreten, aber niemand spricht über eine Entdehnung. Es ist wichtig Grenzen der Flexibilisierung zu definieren und klare Arbeitsregeln zu setzen."

„Wenn der Chef um 23 Uhr noch E-Mails verschickt, übt das Stress auf seine Mitarbeiter aus. Denn diese denken dann oft, dass es von ihnen auch gefordert ist, so lange zu arbeiten."

/ Virtuelle Teams / Interkulturelle Kompetenz / Projektarbeit /

„In virtueller Teamarbeit, die zunehmend kulturübergreifend und projektbasiert ist, sollte die Medienpräferenz aller berücksichtigt werden. Dabei müssen wir uns gegenseitig aufklären und sensibilisieren, was die individuellen Differenzen in der Medienwahl betrifft. Dieser Schritt findet selten statt, weshalb Kommunikationsprozesse in der Teamarbeit oft scheitern."

/ Büro im Wandel / Virtuelle Teams / Medienkompetenz /

„Medial veränderte Situationen erfordern neue Formate der Moderation und Kommunikation, wie z. B. kulturelle und individuelle Präferenzen in der Mediennutzung, d.h. richtiges „Pause machen", kontinuierliches Monitoring, Berücksichtigung der technischen und räumlichen Voraussetzungen, Klärung zur Erreichbarkeit und Verlässlichkeit, etc."

„Medien sind keine neutralen Vermittler, sondern bestimmen Themen, Inhalte und Verlauf der Interakion. Das ist keine große Erkenntnis, wird aber selten im Arbeitsalltag bei der Medienverwendung zur Kenntnis genommen."

„Bei fehlendem visuellen Kontakt, also bei ausschließlicher Nutzung von Telefon und E-Mail, rückt arbeitsteiliges statt gemeinschaftliches Vorgehen stärker in den Mittelpunkt. Diese kann zwar parallel bearbeitet werden, doch kommt es dabei häufig zu Fehlern, Missverständnissen, vor allem aber zu einer Kürzung der so wertvollen gemeinsamen Diskussion, des Austauschs und der Möglichkeit eines jeden Teammitgliedes, seinen Teil aktiv beizutragen und aus der Fülle der Ideen eine gemeinsame, gute Arbeit zu generieren."

„Wo Teamarbeit räumlich verteilt organisiert werden muss, leidet schnell die echte Interaktion, das gemeinsame Brainstorming und das Engagement für das gemeinsame Arbeitsziel in den Besprechungen."

„Wir haben zwar alle ein Grundverständnis von Distanz und Nähe zu anderen, also wie beispielsweise die Frage ob ich meinen Kollegen am Wochenende noch anrufen oder mailen darf. Doch wir befinden uns zur Zeit in einem radikalen Wandel – besonders den der Werte. Man denke da besonders an die Digital Natives. Neue Werte müssen erst ausgehandelt werden."

/ Virtuelle Teams / Führen auf Distanz / Vertrauen vs. Transparenz /

„Auch wenn Social Networks und Wikis Treiber für eine Umordung in der Organisationsstruktur sind, ist die Gefahr, dass durch Social Technology das Management überflüssig gemacht wird, klar überbewertet. Dem entgegen wird die Rolle der Führungskräfte sogar mehr Bedeutung zukommen, allerdings mit neuen Aufgaben."

„Entscheidend sind Führungsstile auf Distanz, die über Zeitzonen und Ländergrenzen hinweg ihren Teams Planung, Orientierungshilfe und Zusammenhalt geben ohne dabei die individuellen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter aus dem Fokus zu verlieren."

„Supportive Leadership wird in Zukunft wichtiger Bestandteil des Managements sein, d.h. Führungskräfte müssen stärker die Fähigkeiten und Qualitäten ihrer Mitarbeiter erkennen, fördern und Potentiale lenken."