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Holm Friebe

Holm Friebe

WORKLIFE:

Studierter Volkswirt, der sich in der Netzkultur als Experte und Lead-User gleichermaßen einen Namen gemacht hat. Gründer der Zentrale Intelligenz Agentur, einem Think Tank in Berlin. Trendberater verschiedener Unternehmen und Lehrender an der Züricher Hochschule für Künste im Bereich Trendforschung. Buchautor, gemeinsam mit Sascha Lobo hat er den Begriff der Digitale Bohème geprägt.

ESSENCE:

"Es gibt intelligentes Leben jenseits der Festanstellung."

/Automatisierung von Wissensarbeit /

„Die Zukunft der Arbeit liegt in der Kommunikations- und Koordinationsleistung zur Aufgabenbewältigung gegenwärtiger und zukünftiger Probleme. Das ist nicht Kreativität, sondern vielmehr Kollaboration. Jede algorithmisierte Arbeit wird dagegen in Offshore-Zentren ausgelagert oder an Maschinen abgegeben, das betrifft auch traditionelle Berufe wie z.B. Bänker, Anwälte oder Redakteure."

/ Wissensgesellschaft / Produktivität /

„Wir befinden uns momentan in einem Produktivitätsparadoxon. Das heißt, die neuen IT-Technologien machen sich zwar überall bemerkbar, nur noch nicht in der Produktivitätsstatistik. Es besteht eine unglaubliche Hemmungslosigkeit Kollegen und Freunde mit Informationen, CC-Mails oder Reportings und vielem mehr zuzuspamen. Das führt zu einem Rebound-Effekt in unserer Kommunikationsgewohnheit."

„In der digitalen Kommunikationskultur von Unternehmen steht das wachsende Datenvolumen nicht mehr im Verhältnis zur Produktivität. In Großorganisationen zirkuliert ein Übermaß an "ungesunder" Information, das diese, gleichsam der Slums in Neu-Dheli, in wahre Informationsslums verwandelt. Wir müssen folglich anfangen Informationshygiene zu betreiben, was nichts anderes heißt als unsere Informationen richtig zu filtern."

/ Informationsflut /

„Mehr Kommunikation ist kein Allheilmittel. Ganz im Gegenteil brauchen wir nicht mehr, sondern einen Wechsel von der Push- zur Pull-Kommunikation. Wir müssen eine Ökonomie in unsere Kommunikationsgewohnheit bringen."

Social Software / IT-und Arbeitsmoral /

„Technikentzug ist kein Weg, um Mitarbeiter zu erziehen."

„Organisationen versuchen Social Software im eigenen Unternehmen zu integrieren, aber häufig mit mäßigem Erfolg, da die meisten Intranets mehr reguliert sind als öffentliche Networks: Wer will schon im Nichtschwimmerbecken planschen, wenn das große wilde Internet auf einen wartet."

/ Neue Organisationsformen / Führungsstrukturen /

„In Unternehmen finden wir nach wie vor starke Hierarchien, Oldboys-Networks, Präsenzkultur und Order-Obey-Mentalitäten. Das liegt meiner Einschätzung nach an dem Phänomen der Homosozialen Reproduktion. Manager profitieren von ihrem alten Regime. Sprich, Kulturen ziehen Gleiches an: Da kommt jemand, der ist so wie ich vor 20 Jahren. Deswegen verändert sich die Kultur in Unternehmen auch nur so langsam."

„Homosoziale Reproduktion: Zu Deutsch: "Schmidt sucht Schmidtchen" meint die soziale Vererbung von Arbeits- und Führungsstilen über Generationen hinweg."

/ Das Büro im Wandel /

„Die Arbeitswerkstätten werden wieder zurück ins Zentrum des Lebens verlegt - in die eigenen vier Wände. In Zukunft wird die Arbeit um das Leben gestrickt. Der heimische Küchentisch wird dann schnell mal zum Konferenztisch umfunktioniert."

/ Virtuelle Teamarbeit / Asychrone Kommunikation /

„Asynchrone Kommunikation ist heute noch gar nicht angekommen. Die neue Kulturtechnik muss erst gelernt werden. Vielleicht haben wir erst in 50 Jahren verstanden, wie sie eigentlich funktioniert."

„Für Zeitzonen übergreifende Kollaboration ist asynchrone Interaktion eine gute Lösung. Im Wissensaustausch soll das Argument im Mittelpunkt stehen, was durch "Kommunikationswerkzeuge", die physische Eigenschaften ausblenden, gestützt werden kann."

„Es gibt nichts Invasiveres als einen unangekündigten Telefonanruf. Das ist ein Überfall. Das Gegenüber wird überrumpelt und völlig aus seiner Beschäftigung rausgerissen. Wir haben heute die Möglichkeit zur asynchronen Kommunikation und die müssen wir nutzen."

/ Connectivity / Entgrenzung / Projektarbeit /

„In einigen Organisationen wurde auf die Zerstückelung des Arbeitsalltags durch die Einführung einer Silent Hour, in der es gar keine Ablenkung von außen geben darf, reagiert. Darin werden auch keine Telefonate durchgestellt und es finden keine Meetings statt."

„Die eigentlichen produktiven Handlungsepisoden am Tag sind nur wenige Stunden. Die Restzeit wird mit digitaler und analoger Folklore verbracht: "Arbeitsbeschaffung", "Geplänkel" und "Wichtiggetue" - alles nur Petersiliensträuße."

/ Wissensgesellschaft / Infomationsflut /

„In unserer Wahrnehmung werden Arbeitsprozesse vereinfacht und beschleunigt, aber faktisch werden wir nicht produktiver, weil wir im Grunde mehr Kommunikationsaufwand betreiben, als dass wir daraus einen Nutzen für uns ziehen. Die Informationsflut ist also nicht nur ein selbsterschaffenes Monster, sondern vor allem Ergebnis des eigenen »Filter-failures«."

„Eben weil Filter so wichtig sind, ist es unerlässlich, sie ständig zu justieren. Ich habe einen festen Tag im Monat, an dem ich meine Filter durchsehe und anpasse."