Experten


Ulrich Klotz

Ulrich Klotz

WORKLIFE

Informatiker und Arbeitswissenschaftler, Experte zu Arbeitsformen der Zukunft, Lehraufträgen an den Universitäten Bremen, Hamburg und Hannover, Stiftungsprofessur an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main, zuletzt Mitglied der Expertengruppe „Zukunft der Arbeit" im Bundeskanzleramt.

ESSENCE

„Wenn immer mehr Routinetätigkeiten an technische Systeme abgegeben werden, zählt in Zukunft vor allem das, was Menschen von Maschinen unterscheidet: Kreativität, Emotion, Erfahrung und vor allem die Fähigkeit, intelligent mit dem Unvorhersehbaren umzugehen."

/ Wissensgesellschaft / Informationstechnologie / Kulturtechnik /

„Die Informations- und Kommunikationstechniken stecken trotz aller Erfolge noch in den Anfängen ihrer Entwicklung. Im Grunde erinnert bei uns so manches ein wenig an die Mönche, die auch noch 50 Jahre nach der Erfindung des Buchdrucks jedes einzelne gedruckte Exemplar Korrektur lasen, weil sie die Wirkungen der neuen Technik anfänglich gar nicht begreifen konnten. Gut möglich, dass sich spätere Generationen über unser heutiges Verständnis der Wirkungen von Informatisierung und Internet ebenfalls kopfschüttelnd amüsieren werden." (Ulrich Klotz, in: Universitas 786, S.15)

/ Social Software / Liquide Organisation / Vertrauen vs. Transparenz /

„Die Debatte um Social Media erinnert mich ein wenig an die Streitereien um die Einführung von PCs, die Ende der 80er Jahre in vielen Unternehmen ausgefochten wurden. Damals hieß es auch: PCs – vor allem solche mit grafischen Oberflächen – das ist nur Spielzeug, damit kann man keine 'richtige' Arbeit machen und die haben im Betrieb nix zu suchen!"

„In klassischen Unternehmen stößt Social Media oftmals wegen mangelnden praktischen Erfahrungen auf starke Abwehrreaktionen. Außerdem ist die Angst vor einer unfreiwilligen Preisgabe der Unternehmensgeheimnisse meist größer als die Neugier auf positive Auswirkungen für das Unternehmen."

„Für Betriebsräte ergeben sich bei intelligenter Nutzung von Social Software neue Wege der Einflussnahme. Indem jeder an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen aktiv mitwirken kann, können Unternehmens- und Kommunikationskultur grundlegend verändert werden. Betriebsräte werden auf diesem Weg zu 'Change Agents '."

/ Wissensgesellschaft / Informationstechnologie / Kulturtechnik /

„Unser heutiges Verständnis von Arbeit ist ein Produkt der Industrialisierung. Während in der agrarischen Gesellschaft Menschen Jahrtausende lang gemäß dem Rhythmus der Natur lebten, brachte es die Industrialisierung mit sich, dass die Menschen sich zur selben Zeit am selben Ort versammeln mussten, um im Rahmen einer Betriebsorganisation zusammenarbeiten zu können. Denn nur so ließ sich die neue Technik der Dampfmaschine als zentrale Kraftquelle rationell nutzen. „Heute wird der Produktionsfaktor „Information" zum Menschen gebracht."

/ Automatisierung von Wissensarbeit /

„Mit fortschreitender Informatisierung und Ausbreitung von IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) werden mehr und mehr Routinetätigkeiten automatisiert, dadurch erhöht sich der intellektuelle Gehalt der verbleibenden Arbeit."

/ Bewertung von Arbeit /

„Eine Ökonomie, deren wichtigstes Produkt leicht zu vervielfältigende Informationen sind, funktioniert nach anderen Mustern und Regeln als eine Wirtschaft, in der unter Einsatz von traditionellen Rohstoffen, Kapital und Arbeit materielle Güter hergestellt und gehandelt werden."

„Bei Informationsprodukten zählt die Qualität der eingeflossenen Ideen und nicht die darauf verwandte Arbeitszeit - so wie man auch einen Roman nicht nach der Anzahl der Zeilen oder Schreibstunden bewertet. Es zählt also das Ergebnis und nicht die darauf verwendete Arbeitszeit."

/ Wissensgesellschaft / Informationsverarbeitung / Aufmerksamkeitsmanagement / War of Talents /

„Bei steigender Informationsmenge wird gleichzeitig ein anderer Faktor knapp: Das ist die Fähigkeit Informationen aufzunehmen und in Wissen und Bedeutung zu verwandeln. Diese Art der Informationsverarbeitung ist durch Technik nicht ersetzbar und bleibt dem Menschen vorbehalten."

„Als viele Menschen noch nicht wussten, was Computer sind, wurde vermutet, dass diese Technik (das „Elektronenhirn") die Kopfarbeit verdrängt - ganze Berge einschlägiger Bücher zeugen noch heute von diesem folgenschweren Irrtum."

„Wir haben heute noch gar keine Ahnung, wohin uns der digitale Umbruch führen wird. Jedes neue Medium stellt mehr Möglichkeiten der Kommunikation bereit als die Gesellschaft zunächst bewältigen kann. Erst im Verlauf der Zeit entwickeln sich neue Kulturformen, um das Mögliche auf das Bearbeitbare zu reduzieren."

/ Innovationen & Netzwerke /

„Innovationen entstehen nicht nach Plan oder auf Anordnung, sondern erfordern ein ganz anderes Klima, als es industriegesellschaftliche Managementformen zu bieten vermögen."

/ Wissensmanagement /

„Beim 'Wissensmanagement' handelt es sich um vielfältige Ansätze, Wissensarbeitern Arbeitsumgebungen zu verschaffen, in denen sie ihr Wissen und ihre Fähigkeiten optimal entfalten können - darauf kommt es an. Peter Drucker sagte schon: "Wissen kann man nicht managen - es sitzt zwischen zwei Ohren."